
ONE WAY?
In diesem Bild unserer Collagenreihe möchten wir erneut versuchen, der Gefühlswelt von Kindern und Jugendlichen mit komplexem Hilfebedarf näher zu kommen. Unser Team hat seine Eindrücke bereits gesammelt. Welche Gedanken löst diese Collage bei euch aus? Teilt eure Ideen gerne mit uns.
Pia: Das Bild verbildlicht die Konfrontation und den spürbaren Reibungspunkt zwischen jungen Menschen mit komplexen Hilfebedarfen und den starren Strukturen institutionalisierter Hilfesysteme. Im Zentrum steht die markante Nahaufnahme des „One Way“-Schildes, das sinnbildlich für bürokratische Vorgaben, unflexible Systempfade und den Zwang zur Anpassung steht. Es verdeutlicht, wie universelle Regeln individuelle Lebensrealitäten verengen und den Betroffenen oft nur eine einzige, alternativlose Richtung aufzwingen. Die unscharfe, im Hintergrund verschwimmende Kulisse der mächtigen Architektur symbolisiert die unüberschaubare, unpersönliche Institutionenlandschaft. Während die persönlichen Bedürfnisse der Jugendlichen in den Hintergrund gedrängt werden und unscharf bleiben, dominiert die strikte Richtungsweisung der „Norm“ das gesamte Bildmotiv. Das Foto verdeutlicht das Erleben von Fremdbestimmung, Machtlosigkeit und dem starren Regelwerk des Systems von Kinder- und Jugendlichen mit komplexen Hilfebedarfen. Mit dieser Collage möchten wir einen weiteren Impuls setzen, um das Erleben von jungen Menschen an den Grenzen des Hilfesystems greifbar zu machen.
Carla: Die rote Ampel kann für Grenzen, Regeln und Schutz stehen. Sie zeigt die klaren Grenzen der Gesellschaft innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe.
Das „One Way“-Schild symbolisiert vorgegebene Wege und Erwartungen, die die Gesellschaft an die Individuen vermittelt, vor allem im Kinder- und Jugendalter. Es handelt sich um die gesellschaftlichen Normen, die uns vorgegeben werden.
Der Vorschlaghammer kann unterschiedlich interpretiert werden. Einerseits steht er für Zerstörung und Aggression, wie sie bei Konflikten oder Krisen auftreten können. Andererseits kann er auch als Symbol für Veränderung verstanden werden. Da man sieht, dass jemand auf das Schild schlägt, geht es wohl um das Zerstören dieser Normen der Gesellschaft und um das Finden eines neuen Weges, eines individuellen Weges, für jedes Kind und jeden Jugendlichen.
Melli: Das Bild vermittelt, wie schnell auffälliges Verhalten gestoppt oder bekämpft wird, statt nach den Ursachen zu fragen. Das Stoppsignal und der Vorschlaghammer wirken wie Symbole für Ablehnung, Eskalation und den Versuch, Probleme mit Druck zu lösen. Hinter jedem sogenannten „Systemsprenger“ steckt jedoch ein Kind mit einer Geschichte, Bedürfnissen und dem Wunsch, gesehen und verstanden zu werden.
Lisa: Das Bild spiegelt Systemerfahrungen von Kindern und Jugendlichen mit komplexem Hilfebedarf wider. Die Zweiteilung zeigt links durch eine zum Halt auffordernde Ampel, und durch das Schild mit der Aufschrift „One Way“, das System. Die Ampel scheint für das System zu stehen, das den Kindern und Jugendlichen den „One Way“ vorgibt und in ihren individuellen Wegen und Bedürfnissen bremst. Das rechte Foto zeigt die Beine einer Person, die mit einem Hammer auf die Ampel zielt. Es steht für die Kinder und Jugendlichen, die aus den Fängen des Systems ausbrechen wollen. Sie fühlen sich wohlmöglich ohnmächtig, unverstanden und wissen sich nicht anders zu helfen als sich physisch bemerkbar zu machen.
Veränderung entsteht durch Beziehung, nicht durch Härte!

