Osnabrücker Experte über Probleme in der Jugendhilfe
In dem Artikel vom 09.05.2026 wird das Interview mit dem Osnabrücker Psychologen Rainer Orban wiedergegeben.
Orban kritisiert die hohen Kosten der Kinder- und Jugendhilfe und erläutert, dass bis zu eine Million Euro für ein Kind ausgegeben wird, welches mit acht bis zehn Jahren in eine Wohngruppe aufgenommen wird und dort bis zum Auszug als Erwachsener bleibt.
Rainer Orban ist Psychologe und systemischer Therapeut. Er leitet in Osnabrück das Institut N.I.L. für systemische Fort- und Weiterbildung am Haarmannsbrunnen und schult dort unter anderem Mitarbeitende von Jugendämtern und Jugendhilfeträgern.
In dem Gespräch ging es vor allem um die Kürzungspläne des Bundes in der Kinder- und Jugendhilfe. Orban sieht nicht alles in dem Entwurf negativ, positiv bewertet er beispielsweise die Stärkung kommunaler Infrastrukturen, wie beispielsweise Familienzentren und Kitas, wie diese finanziert werden sollen, bleibt jedoch unklar.
Orban plädiert bereits seit Jahren für einen Systemwechsel in der Jugendhilfe – die Hilfen kämen zu spät – viel früher müssten in den Familien interveniert werden, meistens komme die Hilfe erst, wenn sich die Probleme bereits verfestigt haben. Das hat nicht nur gravierende Folgen für die Familien und Kinder, sondern auch volkswirtschaftliche Folgen.
Orban zitiert gerne die Studie des Nationalen Zentrums für Frühe Hilfen aus dem Jahr 2011 – Rechnungen hier haben festgestellt, dass es für den Staat 34-mal so teuer ist, wenn Kindern erst im Schulalter geholfen wird, als wenn ein paar tausend Euro in den ersten drei Lebensjahren investiert werden. Seine Hauptkritik lautet: „Vieles ist Kosmetik, an die Systemfrage geht niemand ran.”


