Von wo schaust du?

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Luca: Für mich ist das Fenster ein Fenster zur Seele. In den vielen kleinen Scheiben sehe ich die Vielfalt der Natur, die Vielfalt von Menschen und die Vielfalt an Gefühlen und Situationen, die ein einzelner Mensch in sich tragen kann. Viele Scheiben sind vernebelt. Diesen Nebel kenne ich, wenn ich mich selbst betrachte, und noch dichter wird er, wenn wir auf andere schauen: Wir sehen nie alles, nie ganz richtig, immer nur einen Ausschnitt.

Auffällig ist, dass die Krisen-Darstellungen wie Feuer, Blitz, Lava und tosendes Wasser gestochen scharf sind, aber deutlich in der Unterzahl. Die meisten Scheiben zeigen Grün, Wachstum und Ruhe. Trotzdem bleibt der Blick zuerst am Bedrohlichen hängen. Genauso geht es uns oft, wenn wir einen Jugendlichen betrachten: Wir sehen zuerst, was nicht gut, nicht schön, nicht ruhig ist, und konzentrieren uns darauf. Dabei übersehen wir, wie viel Lebendiges daneben wächst.

Und wir übersehen den Menschen selbst. Ganz unten in der Ecke steht ein Schatten mit den Händen an der Scheibe. Vielleicht ist er gefangen, vielleicht betrachtet er uns. In jedem Fall sucht er den Kontakt zu uns als Betrachtende. Für mich wirkt er wie ein leiser Hilferuf aus der untersten Bildecke. Er wünscht sich nur, gesehen zu werden, doch unser Blick bleibt am Krassen hängen.

Wer nur auf die Krisen schaut, übersieht den Menschen, der um Aufmerksamkeit bittet.

Jula: Ein Fenster bietet einem Sicherheit. Es schützt vor Sturm und Regen.

Doch wenn es Risse bekommt, dann kann es zu fatalen Folgen kommen. Der Blitz schlägt ein, das Feuer brennt, die unheimliche Person tritt ein. Allerdings gibt es auch Raum für friedfertige Natur, für Pflanzen und Sonne.

Im Kontext der Komplexen Hilfe verdeutlicht die Bildcollage, dass es viele Schwierigkeiten gibt, die es zu bewältigen gilt. Es gilt Schutz zu bieten, und Handlungsfähigkeit gezielt zu fördern, indem das vorhandene Potenzial (Wachstum und Licht) erkannt und genutzt wird.

Lisa: Es wirkt, als würde man das Leben – vielleicht das eigene Leben als Jugendliche*r mit komplexem Hilfebedarf – beobachten. Fast „ohnmächtig“ betrachtet man das Geschehen, Probleme und schöne Momente von außen, ohne sie selbst beeinflussen zu können. Die milchigen, unklaren Fenster wirken, als wären auch die Grenzen zwischen diesen schönen und herausfordernden Situationen undurchsichtig.

Carla: Der Blick durch das Fenster zeigt den Blick auf  verschiedene Welten- sieht man von innen durch das Fenster nach draußen- sieht man neben den negativen Bildern wie dem Blitz, dem Feuer und verzweifelte Menschen auch grüne Pflanzen und helles Sonnenlicht. Es kommt darauf an, wie man auf das Fenster schaut, welche Perspektive man einnimmt. Neben vielen negativen Seiten gibt es auch immer wieder positive Seiten im Leben. Schaut man von draußen nach innen, sieht man die schrecklichen Bilder eventuell gar nicht, sondern steht im Sonnenlicht und schaut durch ein einfaches milchiges Fenster. Es geht um Perspektivwechsel.

Was fällt dir ein, wenn du dieses Bild betrachtest?

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